Mal wieder bricht meine fragile Welt in sich zusammen. Die letzten 1,5 Wochen ging es beziehungsmäßig drunter und drüber (ich habe Artikel dazu begonnen, teilweise verworfen, teilweise noch daran schreibend). Rückschläge in anderen Bereichen häuf(t)en sich.

Des Verständnisses halber - vor knapp zwei Jahren passierte etwas schreckliches in meinem Leben, in dem meiner Kinder. Obwohl ich nicht direkt etwas dafür konnte, plagen mich seither tiefsitzende Schuldgefühle. In dieser Zeit haben sich bei mir etliche falsche Glaubenssätze manifestiert. (Als hätte ich davon nicht schon genug gehabt!)

An solchen Tagen wie heute, lösen diese falschen Glaubenssätze mitunter sogar Suizidgedanken aus. "Ich will nicht mehr, ich will mich nur noch auflösen", hämmert es an meine Schädeldecke. Nicht, dass ich jemals versucht hätte, mich umzubringen oder es gegenwärtig in irgend einer Form beabsichtigen würde, jedoch ist die Hoffnung auf Besserung von jetzt auf gleich wie weggeblasen. Aus der so taffen Frau - zumindestens werde ich von anderen oft so beschrieben - wird wieder ein kleines Mädchen, das sich am liebsten den ganzen Tag im Bett verkriechen würde.  

Da sind allerdings vier kleine Mäuse, meine Mäuse, für die es stark zu bleiben gilt. Es ist schon einige Jahre her, aber die Mischung aus Appell und Mahnung des Psychiaters hängt mir noch im Ohr, als sei es gestern gewesen. (Zum Glück, ja!) Also weint das kleine Mädchen in mir still und leise. Den ganzen Tag schon.

Eben dann der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat - der Gang zur Waage. Seit mindestens zwei Monaten habe ich mich nicht mehr getraut, mein Gewicht zu überprüfen. Ich wusste, dass ich danach in ein tiefes Loch fallen würde.

Eingeschobener Prolog: Ich habe zwei Mal innerhalb von 3-4 Monaten 30-35kg abgenommen. Ich habe vier Jahre meines Lebens Gr. 44/46 getragen. Davor und dazwischen Gr. 36/38. Vom Untergewicht haben mich nur ein paar hundert Gramm getrennt. Ja, auch eine Essstörung hat sich im Laufe der letzten 6 Jahre bei mir eingeschlichen. Zuerst war es nur radikale Reduktion der Kohlenhydrate (>500kcal pro Tag), irgendwann unbewusster Übergang zur Bulimie (die letzten 1,5 Jahre verlor ich u.a. drei Zähne dadurch). Seit die Probleme in (Fern-) Beziehung, Alltag (mit den Kindern) und Arbeit (-sfindung) so erdrückend sind, ich das Gefühl habe, ein Leben zu "leben", welches ich SO gar nicht will, bin ich ab dem Abend bis in die Nacht hinein nur noch am Essen. Eine neue Pille, die ich aufgrund anderer Beschwerden von meiner Frauenärztin empfohlen bekommen habe, tut ihren Rest dazu.  

Was mache ich hier bloß?! Warum werde ich phasenweise zu einem solchen Zuckerjunkie und kann nicht mehr ab von diesem Zeug, wo ich doch weiß, dass es mir langfristig wieder nur schadet?!

Ich bin so wütend auf mich. Ich komme nicht klar darauf, auf dieses Wissen und das gleichzeitige kontroverse Handeln meiner Wenigkeit. Ich wünsche mir nur einen Weg raus aus diesem Chaos. Doch in solchen Momenten, in denen das Fass überläuft, in denen ein kleiner Bach zu einem schier endlos, reißenden Fluss wird, boykottiert mein Verstand jeglichen logischen Lösungsansatz.  

Heute ist das erste Mal seit Jahren, dass ich mich an diesem Punkt - eigentlich dem „point of no return“ (auf das SVV bezogen, welches an dieser Stelle primär einsetzte) - an den Laptop setze und schreibe. Einfach die Gedanken runtertippe. Ich schreibe heute nicht des Schreiben wegens, nicht, weil ich mich als Künstlerin verwirklichen und darstellen will. Heute schreibe ich ausschließlich als die Person, die ich gerade bin. Eine, auf einem weißen Plastik Schreibtischstuhl, zusammen gesunkene Frau, deren inneres Kind am Weinen ist, die sich schrecklich unansehnlich und fett fühlt. Die irgendwo zu sehr Mensch ist, die Gefühle wollen einfach nicht monoton stumpf sein. Oder komplett abreißen. Ich würde ihnen auch keine Träne hinterher weinen. Denke ich heute…  

Aber was ist mit Morgen. Morgen brauche ich sie vielleicht wieder. Eventuell vermisse ich sie sogar. Ich bin doch eigentlich gerne Mensch. Was hält mich denn sonst am Leben? Wenn nicht mein HerzChaos?  

Langsam stellt sich ein leicht beruhigendes Gefühl ein. Das Chaos im Kopf hat sich ein wenig gelegt, sortiert. Es vermag keine Allround-Lösung zu sein, trotzdem bin ich unheimlich dankbar für diese "gesunde" Möglichkeit der Regulation. Und ich danke ebenfalls den Menschen, die mich bis dato dazu ermutigen, meine Leidenschaften und Talente endlich auszuleben. Danke!

Es grüßt euch herzlich

HerzChaos