Aus meiner Bluetooth Musikbox dröhnt laut "Benzin" von Rammstein, während ich diese Zeilen niederschreibe. Endlich. Seit gestern Abend drängt alles in mir danach, den Laptop hochzufahren und mir dieses hässliche Gefühl sofort von der Seele zu schreiben. Zumindest das, was dazu führte, mich so fühlen zu lassen. Diese geistige Selbstverstümmelung. Mal wieder. Allerdings...

Jeder Tag beginnt bei mir mit unerbittlicher Arbeit und Verantwortung. Dort, wo andere über ihre Müdigkeit, oft gekoppelt mit der Unfähigkeit, gleich nach dem Wecker klingeln aufstehen zu können, klagen, bleibt mir höchstens ein Bruchteil von Sekunden, um zu realisieren, dass ich noch lebe und gerade wach "geworden" bin. Ich spreche von dem unglaublich tollen Los, welches alleinerziehende Elternteile* von mehreren Kindern (die Jüngsten - Zwillinge - drei Jahre alt) gezogen haben.

So oft bekomme ich signalisiert "hey, du hast so viele Talente, es wäre Verschwendung, wenn du nichts daraus machst". Ja, ich will auch etwas daraus machen. Aus mir. Aus dieser tiefen Sehnsucht, mich als Mensch, besonders als Künstlerin, selbst zu verwirklichen. Früher fehlten mir durch das (u.a.) unerkannte ADS die Konzentration und die Ausdauer. Heute fehlt mir die Zeit.

Nein, ich will kein Mitleid, nur...  Ich kämpfe jeden Tag um jede Sekunde, jede Minute, die ich für mich habe. In denen ich mich verzweifelt versuche selber zu finden, einen Weg raus aus diesem Chaos. Meine vielen - oft unabwendbaren - Gedanken(-gänge) beschäftigen und belasten mich seit Kindertagen extrem. Ich empfand und empfinde es oft als geistige Selbstverstümmelung. Wenn wieder irgendwer sagt, wie toll es doch sein muss, mit einer Hochbegabung gesegnet zu sein, werde ich leicht aggressiv. Aus der geringen Begeisterungsfähigkeit für Religion & Glaube heraus, würde ich es generell nicht als "Segen" bezeichnen. Abgesehen davon ist die Hochbegabung der Stachel in meiner größten, sich immer wieder öffnenden Wunde - meinem "Herzen".

Ich bin sehr emotional, habe öfter starke Gefühlsschwankungen, die sich der Verstand nicht immer zu erklären weiß, geschweige denn (spontan) ändern könnte. Ein Hauch von Wahnsinn, der in solchen Momenten zugegen ist, raubt mir meine Nerven, meine Selbstkontrolle. Ja, zugegeben - an diesen Tagen neige ich nicht nur zur geistigen Selbstverstümmelung. Irgendwo erreicht auch Intelligenz und Intellekt seine Grenzen. Dennoch ist dieser Brainfuck das Schlimmste daran (und nicht die physische Variante). Er erzeugt erst die krasse Abwärtsspirale, geprägt von Verzweiflung, Wut und Trauer. Und dann würde ich am liebsten das Geschirr fliegen lassen. Aus dem Fenster. Auf den Boden. In die Spüle würde auch schon reichen. Aber...  Die Verantwortung.

Gestern war wieder so ein Tag, an dem mir diese Erkenntnis den Rest zu dem Rest gegeben hat. Gefühlt lässt sie mich tiefer in meinem Chaos zurück, als ich es zuvor war. Ein Schritt vor, zwei zurück. Jedes Mal. Immer wieder. In Gedanken mit Gedanken mich selbst am Verstümmeln.

Ich weiß, dieser Text heute ist seltsam. Ich bin auch nicht zufrieden damit. Ich gebe anderen gerne etwas hoffnungslos hoffnungsvolles mit auf den Weg, heute schreibt jedoch das Chaos aus mir. Begleitet von dem Schmerz, irgendwo in meinen Gedanken beschränkt und nicht wirklich frei zu sein. Obwohl ich mich so sehr anstrenge, über mich hinauszuwachsen, die wenige Zeit gut zu nutzen, mit meiner letzten Kraft und meinem unkaputtbaren Willen mich selbst zu verwirklichen. Um ein Mal dieses Gefühl zu haben "ja, das bin ICH und damit bin ich zufrieden".

Es grüßt euch trotzdem herzlich

HerzChaos

(* Alleinerziehende Elternteile - eigentlich ein Thema für sich. Interessiert nur nicht besonders viele Leute. Obwohl sich dieses Phänomen ja die letzten Jahrzehnte vom stillen Außenseiter zum gesellschaftlich akzeptierten "Ist-dann-halt-so" Achselzucker entwickelt hat.)